Experten-Diskussion bei Aktionswochen-Finale: Der Rohstoffhandel braucht mehr Transparenz


Am 14. Oktober ging mit einer Podiumsdiskussion und einem Abschlussgottesdienst in Hamburg die Aktionswoche „fair.liebt.transparent.“ der Micha-Initiative Deutschland zu Ende. Dazu lud die Initiative gemeinsam mit dem Gemeindenetzwerk „Gemeinsam für Hamburg“ in das neu eröffnete Ökumenische Forum HafenCity ein. Die Podiumsteilnehmer diskutierten zum Thema „Rohstoffreichtum: Fluch oder Segen für Entwicklungsländer?“.

Der kongolesische Politikwissenschaftler Dr. Dinanga Cingoma betonte zu Beginn der Diskussion: „Die Menschen im Kongo haben nichts vom Rohstoffreichtum ihres Landes.“ Im Gegenteil, im Moment finanziere der Rohstoffhandel vor allem im Osten des Landes einen der blutigsten Bürgerkriege der Welt. Viele westliche Firmen seien nicht an der genauen Herkunft der von ihnen verarbeiteten Mineralien interessiert, wichtig sei für sie vor allem, dass man Rohstoffe günstig einkaufen könne.

Alle Podiumsteilnehmer forderten daher einvernehmlich mehr Transparenz im Rohstoffhandel. Andreas Hübers, Politischer Koordinator der Lobbyorganisation ONE in Deutschland, unterschied dabei zwei Ansätze: Den Wunsch nach einer transparenten, konfliktfreien Lieferkette und die Forderung nach mehr Transparenz bei Finanzflüssen. Am Erfolg von Transparenz-Initiativen für den Rohstoffhandel würde sich entscheiden, ob Afrika in den kommenden Jahren weiterhin Wirtschaftswachstum erlebe und ob man die Einnahmen aus dem Handel gerechter verteilen könne.

Der südafrikanische Pastor und Unternehmer Caesar Molebatsi unterstrich, dass er solche Initiativen für wichtig halte, weil es dadurch Kirchen und sozialen Bewegungen möglich werde, auch von politischen Verantwortungsträgern in Entwicklungsländern mehr Rechenschaft zu fordern. Dennoch machte er deutlich, dass ein Grundproblem des Rohstoffhandels auch in den gegenwärtigen Besitzverhältnissen liege: „Wir haben zwar eine schwarze Regierung in Südafrika, aber über unsere Minen wird in London entschieden“.

In der Europäischen Union werden aktuell Transparenz-Richtlinien für die Öl-, Gas- und Rohstoffindustrie ausgearbeitet. Die deutsche Bundesregierung zeigt sich dabei eher zurückhaltend, weil sie Wettbewerbsnachteile und zu viel Bürokratie für deutsche Unternehmen befürchtet. Freddy Dutz vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW), welche die Podiumsdiskussion moderierte, bedauerte daher umso mehr, dass sich für die Diskussion kein politischer Vertreter hatte finden lassen. Gerade deshalb sei es wichtig, dass sich christliche Gemeinden und Gruppen deutschlandweit an der Postkarten-Aktion der Micha-Initiative für mehr Transparenz beteiligten. Die Aktion wendet sich an deutsche Europa-Abgeordnete und läuft noch bis zum 7. November 2012.

In der Predigt zum Gottesdienst, der sich an die Podiumsdiskussion anschloss, rief Caesar Molebatsi die Besucher dazu auf, Jesus ernst zu nehmen, wenn er sage: „Ihr seid das Licht der Welt“. Oft hätten Christen zu viel Angst vor der Dunkelheit. Dabei seien sie berufen, ihr Licht in der Dunkelheit scheinen zu lassen und sich für Gerechtigkeit zu engagieren.

An der Aktionswoche „fair.liebt.transparent.“ hatten sich deutschlandweit mehr als 200 Gemeinden beteiligt und sich dabei für mehr Transparenz im Rohstoffhandel eingesetzt. Einige Teilnehmer hatten eine Woche lang auf ihr Mobiltelefon verzichtet, um auf die Verarbeitung von Konfliktmineralien in der Elektronikindustrie aufmerksam zu machen.

Im kommenden Jahr wird sich die Micha-Initiative, welche in Deutschland von der Evangelischen Allianz getragen und von mehr als 40 christlichen Organisationen unterstützt wird, an der globalen Kampagne EXPOSED beteiligen. Die Schwerpunktthemen der vom 14. bis 20. Oktober 2013 andauernden Kampagne sind Korruption und Steuerflucht.

Die Podiumsteilnehmer (v.l.n.r..): Andreas Hübers, Dr. Dinanga Cingoma und Caesar Molebatsi
(Foto: Tobias Kässmann).