gut zu (er)tragen? Impuls zum 14. Oktober: "Mission Gerechtigkeit"


Als Missionare das Evangelium verkünden, das wollten Gerhard Wiebe und seine Frau, als sie vor einigen Jahren von ihrer Gemeinde nach Kambodscha ausgesandt wurden. Die Vorstellungen in der Gemeinde waren klar: Mission bedeutet die Einladung zum Glauben an Jesus, die Einladung in die Anbetung Gottes.

Und das war der Kontext, in den Wiebes kamen: In den Slums der Hauptstadt Phnom Penh trafen sie viele Frauen, die dort täglich ungefähr 100 Hosen bearbeiten, Nähte stutzen müssen – als Heimarbeit. Sie arbeiten für große Firmen, aber sind noch billiger als Fabrikarbeiterinnen. Sie können kaum von ihrem Lohn leben.

Im Laufe der Jahre lernte Gerhard immer mehr Menschen kennen, die in der Textilbranche arbeiten. Und er bekam mit, dass die Näherinnen in den Slums und in den Fabriken unter ihrer Arbeit leiden und dass sie begannen auf die Straße zu gehen, um für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten. Doch was bedeutet Mission in einem solchen Kontext? Wie wird das Evangelium für diese Frauen erlebbar? Für Gerhard und seine Familie wurde über die Jahre in Kambodscha immer klarer, dass ein zentraler Aspekt der Anbetung Gottes auch der Einsatz für Gerechtigkeit ist.

 


„Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)

Gerhard schreibt dazu: "Man stelle es sich mal vor: Ein toller Festgottesdienst steht bevor. Ein bekannter Festredner ist eingeladen. Eine tolle Worship-Band übernimmt die Anbetung. Der musikalische Rahmen ist perfekt und die Halle stilvoll dekoriert. Das Fest beginnt, die Halle ist mit Gästen überfüllt und Gott wird mit der besten Musik angebetet. Wessen frommes Herz schlägt da nicht höher? Nur einer hat keine Lust dabei zu sein, um sich das anzuhören. Es ist Gott selbst. Er will sich das nicht mehr antun. Für Gott waren die Gottesdienste in den Zeiten von Amos unerträglich, weil sich Ungerechtigkeit und Ausbeutung breit gemacht hatten. Auf der einen Seite feierte man Gott und berief sich auf den Glauben an ihn, auf der anderen Seite trat man gleichzeitig den Willen Gottes mit den Füßen, wenn es um Gerechtigkeit für die Armen ging. Für Gott ist das eine nicht ohne das andere zu haben.

In der Missionsarbeit in Kambodscha hörte ich immer wieder den frommen Satz: 'Wenn die Leute Jesus haben, dann haben sie alles.' Diese Begründung wurde oft dafür angeführt, um sich nicht für Gerechtigkeit und Befreiung der Ärmsten und Schwächsten einsetzen zu müssen. Aber Gerechtigkeit hat laut Amos im Gottesdienst einen zentralen Platz: 'Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet.'. In Anlehnung an Paul Zulehner könnte man sagen: Wahrer Gottesdienst ereignet sich dort, wo Gottesliebe (Anbetung) und Nächstenliebe (Gerechtigkeit) sich kreuzen. Da ist Gott gerne dabei und feiert mit!"


Gerhard Wiebe leitet die EC-Indienhilfe und lebt mit seiner Familie in Kassel (Foto: privat).


Lesen:

  • Amos 5,21-24


Fragen:

  • In welchen Situationen habe ich selbst schon einmal gedacht: Wie können wir hier Gott anbeten und dabei die Ungerechtigkeiten „dort draußen“ vergessen?
  • In welchen Lebensbereichen möchte ich gern ganzheitlicher werden? Welche Rolle spielt Gottes Sehnsucht nach Gerechtigkeit dabei?


Beten:

  • Für glaubwürdiges und ganzheitliches Christsein in christlichen Gemeinden und Organisationen.
  • Für die Näherinnen in Kambodscha, für wache Christen andere Engagierte vor Ort aus dem In- und Ausland. Für Gerhards Familie und seine aktuelle Aufgabe.


Handeln:

  • Das eigene ehrenamtliche Engagement und Spendenverhalten mal auf Ganzheitlichkeit prüfen und überlegen, wo Veränderungen oder Ergänzungen angebracht sein könnten.
  • Mal auf mit dem Musikteam der eigenen Gemeinde darüber ins Gespräch kommen, wie beim Lobpreis bzw. der Kirchenmusik auch Gerechtigkeitsthemen aufgegriffen werden können.


Mehr zur Kampagne auf www.gutzutragen.de.
Alle Impulse zur Aktionswoche hier als PDF herunterladen.