gut zu (er)tragen? Impuls zum 18. Oktober: "Das Böse mit dem Guten überwinden"


Es war ein Buch und die Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung, die Susanne dazu brachten, sich intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Und dadurch auch mit der Frage, wo denn eigentlich ihre Kleidung herkommt und wie sie hergestellt wird.

Susanne begann intensiver zu recherchieren, welche Möglichkeiten es gibt, Kleidung auf fairere und nachhaltigere Weise zu konsumieren. Dabei stellte sie über die Jahre fest, dass es durch die wachsende ökofaire Bekleidungsbranche zunehmend leichter geworden ist, auf Produktionsbedingungen zu achten und das Konsumverhalten umzustellen.

Trotzdem entdeckte Susanne bei sich und anderen immer wieder, dass die ersten Schritte besonders herausfordernd sind. Schnell ist man überfordert von den Ungerechtigkeiten dieser Welt, fragt sich, was der eigene kleine Beitrag eigentlich für einen Unterschied macht. Und manchmal tun sich Christen ganz besonders schwer damit.


„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern besiege das Böse mit dem Guten.“ (Römer 12,21)

Susanne schreibt dazu: "Eine der ersten Aussagen, die mir als „Frischbekehrte“ damals etwas querliefen, war diejenige: „Wir leben eben in einer gefallenen Welt.“ Nicht, dass das nicht so wäre. Aber diese Aussage bleibt mir zu sehr im Negativen stecken. Das klingt so sehr nach Aussichtslosigkeit, Abwarten, Dulden. Das passt nicht zu mir. Und ich glaube auch nicht, dass Gott das von mir will.

Viel mehr fühle ich mich angesprochen von jenem Vers im Römerbrief: Ja, es gibt das Böse, und es gibt Ungerechtigkeit, aber ich kann versuchen, durch kleine Taten dem Bösen eins auszuwischen, ich kann dort, wo Gott es mir in meinem Alltag zeigt, versuchen, es mit dem Guten zu überwinden. Oder konkreter zum Thema: Ja, es wird wohl in dieser Welt immer ein Ungleichgewicht geben zwischen den „Mächtigen“ und den „Ausgebeuteten“, aber ich kann ein kleines Gewicht in die richtige Waagschale werfen. Und wenn viele Menschen ihr kleines Gewicht dort hineinwerfen, wird sich die Waage auch bewegen.

Ich würde sagen: Das „Böse“ liegt hier in mir selbst, es ist der allgemeine Wunsch jedes einzelnen, selbst möglichst viel für sich zu horten. Diese Einstellung ist weit verbreitet. Viele sagen: Da kann man nichts machen, das ist menschlich. Ich möchte aber bei mir selbst anfangen, hier das „Gute“ zu tun. Das bedeutet, dass ich mich selbst und die Größe meines Kleiderschranks nicht mehr ganz so wichtig nehme und mich mit den Menschen freue, denen dadurch ein menschenwürdigeres Leben ermöglicht wird."

Susanne Winheim ist Pfarrsekretärin und lebt mit ihrer Familie in Weingarten (Foto: privat).


Lesen:

  • Römer 12,17-21


Fragen:

  • Wo will ich eigentlich gern erste Schritte gehen, fühle mich aber von der vermeintlichen Übermacht des „Bösen“ und Ungerechten so überwältigt, dass ich blockiert bin anzufangen?
  • Welche Entwicklungen im Textilsektor darf ich als positiv honorieren, auch wenn sie nur der Anfang eines längeren Prozesses sind und die Ungerechtigkeit damit noch nicht überwunden ist?


Beten:

  • Um Kraft und Mut, bei mir selbst anzufangen und beim Konsum bewusst ein Zeichen zu setzen.
  • Für einen kritischeren Umgang mit unserer Konsumgesellschaft und für Gemeinden, in denen Menschen gemeinsam um Alternativen ringen.


Handeln:

  • Sich mit den unterschiedlichen Textilsiegeln auseinandersetzen (siehe Materialheft auf S. 23-25).
  • Grundsätzlich über das eigene Konsumverhalten nachdenken und überlegen, was anders werden soll bei künftigen Einkäufen (z. B. im konventionellen Handel besser informieren, faire Siegel oder auch Label bevorzugen, Second Hand Kleidung kaufen).


Mehr zur Kampagne auf www.gutzutragen.de.
Alle Impulse zur Aktionswoche hier als PDF herunterladen.