gut zu (er)tragen? Impuls zum 19. Oktober: "Eine Gemeinschaft mit Vision"


Die L4 ist eine Gemeinde in Kassel, die begonnen hat, sich bewusst für mehr Gerechtigkeit zu engagieren. Schon immer gab es da einzelne Leute, denen Fragen rund um Lebensstil und Engagement wichtig waren. Aber als gemeinschaftliches Thema wollten Gerechtigkeitsfragen nicht zünden – trotz mancher dezidierter Predigt.

An einem Gemeindeabend kam plötzlich etwas in Bewegung: Einer aus der Gemeinde erzählte, wie ihn das Thema Gerechtigkeit bewegt. Da horchten andere auf und fragten: „Wie, du auch!?“. Es fanden sich immer mehr, die nicht nur fragen, sondern handeln wollten. Auf der nächsten Gemeindefreizeit wurde es gleich konkret, es ging um Textilien. Denn hier hatten Gemeindeleute bereits ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem aus alten Jeans neue Taschen genäht werden. Diese Jeans werden„weiterFAIRwertet“ und mit Informationen über den Herstellungsweg an die Endabnehmerin oder den Endabnehmer gebracht. Ergebnis der Gemeindefreizeit: Die L4 entwickelte das Konzept „Der rote Faden“, bei dem es um den Weg unserer Kleidung geht. Ein Planspiel, eine biblische Reflektion und viel Betroffenheit – das alles führte dazu, dass sich die L4 als Gemeinschaft entschied, dran zu bleiben.

Die Gemeinde weiß, dass sich nicht einfach alles von heute auf morgen verändert. Sie hat daher eine Spurgruppe ins Leben gerufen, die darüber berät, wie das Thema in der Gemeinde wach gehalten werden soll. Es ist klar, dass einzelne Personen hier eine entscheidende Rolle spielen.Aber entscheidend ist, dass die L4 als Gemeinschaft eine Leidenschaft und Vision für Gerechtigkeit entwickelt.


„Keine Arbeit ist dann mehr vergeblich.“ (Jesaja 65,23)

Berthold schreibt dazu: "Der Prophet Jesaja schildert eine Vision, in der konkrete Beispiele eines gerechten Lebens und Zusammenlebens aufleuchten. Die Ausbeutung ist beendet. Jeder und jede genießt die Früchte der eigenen Arbeit. Eine gerechte Entlohnung, nicht nur Mindeststandards. Die Ausbeutung der Kinder ist zu Ende; die sterben keinen frühen Tod mehr. Der Schmerz der Mütter und Väter gehört der Vergangenheit an.

Eine starke Hoffnung wird hier angeboten, die in dem Bild des friedlichen Beieinander von Wolf und Schaf, Löwe und Rind zum Ausdruck kommt. Es ist Gottes Zukunftsvision, aus der wir die Maßstäbe und Werte, die Motivation und die Kraft gewinnen, schon heute verantwortlich zu handeln. Unser Augenmerk ist auf die verheißene neue Welt Gottes gerichtet und unser Augenmaß für unser Handeln leiten wir daraus ab. Wer für die neue Welt Gottes erwartet, dass jede die Frucht ihrer Arbeit genießen kann, wird sich heute dafür einsetzen, dass jeder unter gerechten Bedingungen arbeiten kann. Wir wünschen uns, dass uns diese Vision als Gemeinschaft antreibt – hier in unserer Ortsgemeinde, aber auch in unserer Verbindung mit anderen Gemeinden und Kirchen weltweit."

Berthold Messinger ist Prediger der L4-Gemeinde, einer Landeskirchlichen Gemeinschaft, in Kassel (Foto: privat).


Lesen:

  • Jesaja 65,21-25


Fragen:

  • Wo habe ich selbst schon einmal erlebt, dass mich die Vision einer Gemeinschaft in Bewegung gesetzt hat?
  • Wie können wir uns als Gemeinschaften neu von Gottes Vision einer gerechten und heilen Welt anstecken lassen?


Beten:

  • Für die L4, die nächsten Schritte und eine Vision, die im besten Sinne ansteckend ist.
  • Für unsere Gemeinde bzw. Gruppe.
  • Dafür, dass christliche Gemeinden und Kirchen zu Anlaufpunkten für Leute werden, die sich nach einer anderen Welt sehnen.


Handeln:

  • Den Micha-Kurs „Just People?” in der Gemeinde durchführen.
  • Einen Gottesdienst zum Thema Gerechtigkeit anregen und vorbereiten.
  • Sich Zeit nehmen und aufschreiben, was in der Aktionswoche wichtig geworden ist, wo sich etwas ändern soll und welche Gespräche in diesem Zusammenhang sinnvoll wären.


Mehr zur Kampagne auf www.gutzutragen.de.
Alle Impulse zur Aktionswoche hier als PDF herunterladen.