Nachhaltige Entwicklungsziele werden neuer Rahmen für die Micha-Initiative

Am vergangenen Wochenende wurden in New York von der größten Vollversammlung der Geschichte der Vereinten Nationen die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) verabschiedet. Erstmalig eröffnete ein katholisches Kirchenoberhaupt die UNO-Generalversammlung. Papst Franziskus rief die Staatengemeinschaft bei dieser Feier dazu auf, die Weltfinanzsysteme endlich sozial und ökologisch gerecht und nachhaltig zu gestalten. Er übte scharfe Kritik an der „Wegwerfkultur“ in der Welt. 

 

 

Die SDGs sind damit das Nachfolgemodell der Millenniumsziele (MDGs). Diese hatten zum Ziel, die weltweite extreme Armut bis 2015 zu halbieren und waren in acht Unterziele unterteilt. Die SDGs umfassen nun 17 Hauptziele. Bis 2030 sollen alle Formen extremer Armut in der Welt vollständig beseitigt werden. 

 

Die SDGs  gelten als weltpolitischer Wendepunkt in ihren beiden wesentlichen Unterschieden zu den jetzt ausgelaufenen und nur teilweise erreichten MDGs. Zum ersten Mal sind alle Staaten gleichermaßen dazu aufgerufen, die erklärten Ziele umzusetzen; bisher waren sie vor allem an die Entwicklungsländer adressiert. Zudem berücksichtigen die SDGs zugleich die soziale, die ökonomische, aber auch vermehrt die ökologische Dimension in der nachhaltigen Bekämpfung extremer Armut.

 

Auch für Deutschland und die bundesdeutsche Politik bedeuten die SDGs eine neue Aufgabenstellung. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls auf dem UN-Gipfel sprach, zog auf der Bundestagssitzung vor ihrer Abreise nach New York ein klares Resümee für die gegenwärtige globale Situation: Noch nie in ihrer Geschichte stand die Menschheit vor so großen gemeinsamen Aufgaben. Armut müsse „endlich in ihrer schlimmsten Form überwunden werden, um allen Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen.“ 

 

Weiterführende Bedeutung für die Umsetzung der SDGs in Deutschland liegt auch in der Verknüpfung von Ökologie, Ökonomie und Sozialem, aber auch in der intensiven Einbindung von zivilgesellschaftlichen Akteuren. Nie zuvor in der Geschichte der UNO wurden im Entstehungsprozess einer UN-Erklärung dieser Wichtigkeit so viele Vertreter der Zivilgesellschaft beteiligt. Dabei gilt der neu verabschiedete Zielekatalog der UNO in seiner Verbindlichkeit für die Mitgliedstaaten als freiwillige Selbstverpflichtung. In ihrer Verwirklichung sind die SDGs deshalb vor allem auf das zivilgesellschaftliche Engagement der Bürger und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) - wie der Micha-Initiative Deutschland - angewiesen.

 

2005 hatte die Deutsche Evangelische Allianz im Rahmen ihres Arbeitskreis Politik eine Arbeitsgruppe berufen, die sich der Frage entwicklungspolitischer Bildungsarbeit aus christlicher Sicht angenommen hat. 2008 wurde daraus der Arbeitskreis Micha der Deutschen Evangelischen Allianz mit einem befristeten Auftrag bis zum Ende des Jahres 2015. Mit dem Auslaufen der MDGs und der Verabschiedung der SDGs wurden für die Micha-Initiative in Deutschland zwei grundlegend wichtige Entscheidungen fällig. Zum einen stand zur Debatte, ob mit dem Ende des bisherigen Rahmenprogramms und ursprünglichen Entstehungsgrundes der Micha-Arbeitskreis seine Arbeit beenden würde oder ob für die Micha-Initiative die SDGs als neues Rahmenwerk gelten können. Der Vorsitzende des ‚Arbeitskreis Micha’, Rolf Zwick, Essen, hält den Arbeitsauftrag der Micha-Initiative für längst nicht beendet. „Aktuell gibt es immer noch 1,3 Milliarden Menschen auf der Welt, die unter extremer Armut leiden, und 800 Millionen Menschen, die täglich hungern. Allein diese dramatischen Zahlen machen unser Mandat als Christen, für eine Verbesserung dieser Weltlage einzustehen und uns sogar noch verstärkt für globale Gerechtigkeit einzusetzen, umso dringlicher“, so Zwick. 

 

Die Deutschland-Koordinatorin der Micha-Initiative, Stefanie Linner, sieht in den SDGs ein weltumspannend wichtiges Rahmenprogramm zur globalen Armutsbekämpfung, das auch für die Arbeitsweise von Micha Deutschland anschlussfähig ist. Linner: „Wir stehen als ganze Welt vor gravierenden Problemen von höchster Komplexität – die Ursachen für die aktuelle Flüchtlingssituation sind hierfür ein sehr augenfälliges Beispiel. Solche Herausforderungen lassen sich nur als Weltgemeinschaft wirksam und nachhaltig meistern. Als Micha-Initiative sehen wir die besondere Chance, unseren christlichen Ruf nach Gerechtigkeit in der Welt an den Ziele-Kanon der Vereinten Nationen anzubinden.“