Neue Besetzung der KoordinatorInnen-Position

Am 1. August durfte ich meine neue Stelle als neue Koordinatorin für die Micha-Initiative Deutschland antreten. Mein geschätzter Vorgänger Alexander Gentsch hat vor 3 Monaten seinen Abschied als Micha-Koordinator kundgetan. So nutze diesen Artikel, um mich bei Ihnen und euch vorzustellen und meinen in-micha-mündenden Werdegang und meine Wirkungs-Visionen vorzustellen.

 

Einige, die in den letzten Jahren bei den Vernetzungstreffen waren, haben mich dort vielleicht als Moderatorin der Samstag-Abende oder als Vertreterin der Heidelberger Lokalgruppe erlebt. Mit dem Engagement in meiner alten Wahlheimat Heidelberg hat tatsächlich auch für mich alles bei Micha angefangen. Vor gut 2 ½ Jahren durfte ich dort in Co-Leitung einen Just-People-Kurs veranstalten und bin seither immer mehr mit den Micha-Anliegen verwachsen. Seit meinen ersten Berührungspunkten mit der Micha-Initiative hat sich für mich immer mehr gezeigt, wie sehr meine bisherigen Lebensfäden und Interessensstränge hier zusammenlaufen.

 

Zum einen kann ich mit der Aufgabe als Koordinatorin an mein Studium anknüpfen. Meine Fächerkombination aus Politikwissenschaft, Philosophie und Christlicher Sozialethik spiegelt passend die interdisziplinären Themen, Fragen und Adressaten der Micha-Initiative wieder: alle Kampagnen-Themen brauchen die Vernetzung zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Kirche. Die verschiedenen Erfahrungsschätze und Denk-Ansätze dieser Bereiche sind für die Lösung globaler Probleme, wie dem extremer Armut in der Welt, unabdingbar.

 

Zum anderen konnte ich während der Studienzeit ein Praktikum am Deutschen Bundestag absolvieren und dabei auch wichtige Einblicke in die politische Arbeit unserer Abgeordneten in Berlin gewinnen. Dass für mich politische Beteiligung und ein politischer Bildungsauftrag eng zusammengehören, hat mir die Mitarbeit an der Akademie für politische Bildung in Tutzing nochmals bestätigt. Wer sich einsetzen will, braucht sachkundige Informationen, aber eben auch umgekehrt: Ohne einen kundigen Kopf laufen losgetretene Füße ins Leere. Der Kopf braucht aber auch „bewegungsfreudige“ Füße, die Wege suchen gefundenes Wissen in die Welt zu tragen.

 

Oder um es mit den Worten der Micha- Erklärung zu sagen:  „Wenn wir die Welt vernachlässigen, verraten wir das Wort Gottes, das uns doch aussendet, der Welt zu dienen. Wenn wir jedoch Gottes Wort ignorieren, haben wir dieser Welt nichts zu bringen.“ Für mich persönlich ist es ein herausragendes Micha-Merkmal, dass wir im theologischen Ansatz der integralen Mission die wesentlichen Dimensionen des menschlichen Seins zusammenbringen dürfen: Der Mensch existiert und funktioniert immer zugleich als sozial, politisch und geistig eingebundenes und aufgefordertes Wesen.  

 

Diese innere Aufforderung, selbst zu mehr sozialer Gerechtigkeit beizutragen, habe ich nach einer Lebenswende und meiner Taufe in Neuseeland mit 22 Jahren immer deutlicher gespürt. Meine Wege führten mich auf dieser Suche nach eigenen Einsatzmöglichkeiten während meiner Studienzeit zu verschiedenen sozialen Projekten. Hier war ich beispielsweise Teil einer Bibelgruppe für die Insassen der Mannheimer Justizvollzugsanstalt. Sehr prägend war für mich auch die Zeit im Heidelberger „Manna“, einem Café gegen Armut und Ausgrenzung. In der Begegnung mit Menschen, die in Deutschland am Existenzminimum leben, habe ich erfahren, was es für sie bedeutet, durch materielle Armut an den Rand des gesellschaftlichen Miteinanders gedrängt zu sein.

 

Je länger ich mich in diesen Projekten bewegte, desto stärker formte sich in mir die Erkenntnis und der Wille meine Kräfte für gesellschaftliche Veränderungen gerne an struktureller Ebene anzusetzen. Konkrete Begegnungen mit Menschen in materieller  oder seelischer Not und der Einsatz für gerechtere Strukturen in Deutschland oder weltweit lassen sich dabei für mich aber eben nicht gegeneinander ausspielen. Wenn wir nämlich das biblische Bild des ‚Shalom’ als Schablone für eine gerechte Welt nach Gottes Willen anlegen, dann folgen wir einem ganzheitlichen Friedensmodell: Friede meint hier nicht bloß die Abwesenheit von Gewalt und Konflikt. Vielmehr bedeutet ‚Shalom’ eine umfassend gerecht ausgestaltete Gesellschaftsstruktur, die durch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe gekennzeichnet ist.

 

Eben das bedeutet für mich den Grundstein der Arbeit für die Micha-Initiative Deutschland: ein Shalom- Verständnis des göttlich gemeinten Friedens und meine Beziehung zu einem Gott, der mir vor allem auch in seiner Charaktereigenschaft eines gerechten Schöpfers begegnet. Ein Schöpfer, der alle Welt-Wesen wunderbar und gerecht geschaffen hat und seinen eigenen Gerechtigkeitssinn in uns verankert.  Gottes Gerechtigkeit ist also gleichsam Ankerplatz und Antriebsfeder in meinem persönlichen Micha- Motivation.

 

Besonders wichtig ist es mir, an dieser Stelle allen schon mal ein herzliches Danke für alles bisherige Engagement bei und für das Interesse an Micha zu sagen. Gerade in diesen ersten Tagen meines Amtsantrittes merke ich, wie wesentlich die Micha-Arbeit von der Unterstützung und Mitarbeit aller Ehrenamtlichen in den Lokalgruppen, Gemeinden und sonstigen Plätzen der Gesellschaft abhängt. Unser kleines Kern-Team besteht aus meiner Kollegin Katja Hofmeister, die als Mitarbeiterin für entwicklungspolitische Jugendarbeit für Micha eingesetzt ist, und mir selbst. Wir hoffen, dass wir gerade in dieser Phase des Übergangs weiterhin auf Ihre und eure Rückendeckung zählen dürfen.