Politik und Gemeinden sollen sich für menschenwürdige Arbeit einsetzen


Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit haben am 7. Oktober Vertreterinnen des Bundestages das „Manifest für menschenwürdige Arbeit“ überreicht bekommen, das von 172 Bundestagsabgeordneten unterstützt wird. Auch die christliche Micha-Initiative hatte im Rahmen ihrer Kampagne „gut zu (er)tragen?“ um Unterstützung für das Manifest geworben. Vom 13. bis 19. Oktober hat die Initiative zudem Gemeinden und christliche Gruppen zu einer Aktionswoche für bessere Herstellungsbedingungen in der Textilindustrie eingeladen.

Als Vorsitzende der Bundestagsausschüsse für Arbeit und Soziales sowie für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nahmen Kerstin Griese (SPD) und Dagmar Wöhrl (CSU) das Manifest entgegen. In dem Forderungspapier wird die Bundesregierung unter anderem dazu aufgefordert, die bereits 2011 verabschiedeten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in einem nationalen Aktionsplan umzusetzen. Das „Manifest für menschenwürdige Arbeit“ wurde von der entwicklungspolitischen Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ formuliert. Im Rahmen ihrer Kampagne „gut zu (er)tragen?“ lud die Micha-Initiative dazu ein, sich an Email-Aktionen zum Manifest zu beteiligen, aber auch das direkte Gespräch mit Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis zu suchen.

Mit „gut zu (er)tragen?“ will die Micha-Initiative vor allem auf die häufig menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Textilien aufmerksam machen. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich 20.000 Menschen an den Folgen von Pestizideinsätzen beim Baumwollanbau. Und auch die Arbeitsbedingungen bei der Konfektion von Kleidung in Produktionsländern wie Bangladesch werden immer häufiger kritisiert. Arbeiterinnen arbeiten in bis zu 90-Stunden-Wochen, dürfen nur selten Pausen einlegen, sind gesundheitsschädigenden Bedingungen ausgesetzt, können sich meist nicht gewerkschaftlich organisieren, haben keinen Kündigungsschutz und erhalten in der Regel Löhne, die weit unter dem Existenzminimum liegen. Auch der Gebäude- und Brandschutz in Textilfabriken ist häufig ein Problem. So starben im April 2013 beim Einsturz des Fabrikkomplexes „Rana Plaza“ in Bangladesch 1.130 Menschen.

In der „gut zu (er)tragen?“ Aktionswoche ab dem 13. Oktober soll auf der einen Seite ein Bewusstsein für die Missstände geschaffen werden, etwa mit der Aktion „GesprächsStoff“, es soll aber auch gezeigt werden, dass sich etwas ändern kann. Pfarrer Rolf Zwick, Vorsitzender der Micha-Initiative, sagt dazu: „Wir können anders konsumieren und produzieren als bisher. Nicht zuletzt ist das aber auch eine Frage politischer Rahmenbedingungen“. Trotzdem seien aber Christen auch als Konsumenten gefragt. „In der Bibel heißt es, dass ein Arbeiter seines Lohnes wert ist. Jesus hat mit denen zusammen gesessen, die kaum genug zum Leben hatten. Deshalb ist es wichtig, genau hinzusehen, wer die Kleidung produziert, die wir täglich tragen, wie er oder sie arbeitet und entlohnt wird“. Im Rahmen der Aktionswoche veranstalten Gemeinden und Gruppen Informations- und Filmabende, Aktionen auf öffentlichen Plätzen, Kleidertauschveranstaltungen und besondere Gottesdienste zum Thema menschenwürdige Arbeit. Dabei wird auch auf Alternativen zum konventionellen Konsum hingewiesen, etwa auf Kleidung aus fairem Handel und Second-Hand-Kleidung. Auch wenn es am Ende Textilhersteller seien, welche die Arbeitsbedingungen entscheidend verbessern könnten, haben laut Zwick die Politik und auch Gemeinden viele bislang ungenutzte Möglichkeiten, auf menschenwürdigere Arbeit hinzuwirken. Darum solle es bei „gut zu (er)tragen?“ gehen.

Die Micha-Initiative ist eine internationale Bewegung, die sich als christliche Antwort auf die Millenniumsziele der Vereinten Nationen versteht. Diese Ziele sehen unter anderem vor, zwischen 1990 und 2015 weltweit extreme Armut zu halbieren, aber auch menschenwürdigere Arbeitsbedingungen zu schaffen. In Deutschland wird die Micha-Initiative von der Deutschen Evangelischen Allianz getragen und von mehr als 40 christlichen Hilfs- und Missionswerken unterstützt.