Christen sollen für die Armen Partei ergreifen


(idea, Schwäbisch Gmünd, 04.09.2010) Christen sollten für die Armen Partei ergreifen und eine „Politik des Königreiches Gottes“ betreiben. Dazu wurde bei einem Armutskongress evangelikaler Werke in Schwäbisch Gmünd aufgerufen.

Kirchliche Aktivitäten sollten die Zuwendung Jesu Christi zu den Menschen am Rand der Gesellschaft widerspiegeln, erklärte der argentinische Theologe René Padilla (Buenos Aires), Ehrenpräsident des von der Weltweiten Evangelischen Allianz getragenen Micha-Netzwerks. Die „Gute Nachricht für die Armen“, für die sich Jesus Christus eingesetzt habe, habe eine politische Dimension. Sie bedeute nicht nur Befreiung von Dämonen, geistlicher Blindheit und Schuldgefühlen, sondern auch Überwindung ungerechter wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse, sagte er vor rund 400 Teilnehmern. Padilla forderte die Zuhörer auf, sich beispielsweise in die Lage mexikanischer Bauern zu versetzen, die aufgrund subventionierter Maisimporte aus den USA ihre eigenen Ernten nicht mehr verkaufen könnten und deshalb arbeitslos würden. Das Evangelium, wie Jesus Christus es vorgelebt habe, ernstzunehmen heiße, sich zum Anwalt dieser Bauern zu machen. Das Königreich Gottes sei da, wo Christen sich für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung einsetzten.
 
Verkündigung nicht ohne Einsatz für Gerechtigkeit 

Der Internationale Direktor der evangelikalen Micha-Initiative, Joel Edwards (London), sagte, der christliche Glaube werde unvollständig weitergegeben, wenn das Engagement für soziale Gerechtigkeit fehle. Es gelte, die Mächtigen an ihre Versprechen zu erinnern. So hätten sich im Jahr 2000 rund 190 Staatschefs zu stärkeren Anstrengungen für eine gerechte Welt verpflichtet. In ihren Millenniumszielen setzten sie unter anderem das Ziel, bis 2015 die extreme Armut zu halbieren und die Kindersterblichkeit um 75 Prozent zu verringern. Laut Edwards sollten Christen Gott darum bitten, dass diese Versprechen eingehalten werden. Außerdem sollten sie ihre Volksvertreter immer wieder zur Verwirklichung der Millenniumsziele drängen. Veranstalter der vom 3. bis 5. September dauernden Tagung sind das Christliche Gästezentrum „Schönblick“ (Schwäbisch Gmünd), das Kinderhilfswerk Compassion (Marburg), die Micha-Initiative (Leipzig), die Gemeindebewegung Willow Creek (Gießen) sowie rund 30 Kooperationspartner. 

Bedürftige nicht betreuen sondern betrauen 

In Seminaren wurde über soziale christliche Initiativen informiert. So berichtete die Lüdenscheider Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg, wie ihre Gemeinde zunächst Obdachlose, später auch psychisch Kranke und Rollstuhlfahrer aufgenommen habe. Diese Menschen seien nicht betreut, sondern mit Aufgaben betraut worden. Dadurch ihr Selbstwertgefühl gestiegen. Viele nähmen inzwischen am Gottesdienst teil. Die sozial-missionarische Organisation „Stoffwechsel“ (Dresden) ermutigte Gemeinden, Nöte in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Besonders gefährdet seien Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV-Familien. Ihnen müsse gezeigt werden, dass es „ein Leben außerhalb der Sozialhilfe“ gebe. Gemeindemitglieder könnten ihnen Geborgenheit vermitteln und helfen, dass sie ihre Freizeit nicht nur mit gewalttätigen Computerspielen verbringen. 

Täglich sterben 24.000 Kleinkinder an vermeidbaren Krankheiten 

Oliver Müller vom Hilfswerk World Vision Deutschland (Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main) erinnerte daran, dass weltweit täglich 24.000 Kinder unter fünf Jahren an einer leicht heilbaren oder vermeidbaren Krankheit sterben. Müller schlug vor, mit Briefen und E-Mails Politiker zur Einhaltung der Millenniumsziele aufzufordern und sich im Oktober an einer Aktionswoche der Micha-Initiative zu beteiligen. Für den Leiter des Hilfswerks Compassion, Steve Volke (Marburg), sind Kinderpatenschaften eine sinnvolle Investition in die Armutsbekämpfung in der Dritten Welt. Die Organisation fördere eine gute Schulbildung, so dass die Begünstigten in der Regel später ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können.

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Die meisten Plenumsveranstaltungen der Tagung „Teilen ist Leben“ wurden mitgeschnitten. Unter 07171-970 70 können im Gästezentrum „Schönblick“ die CDs mit den Mitschnitten bestellt werden.