Erzbischof Williams bei Micha-Aktion: Leiden des Nächsten wahrnehmen


(idea, Kalkutta, 12.10.2010) Fasten kann helfen, soziale Probleme wie Armut und Hunger zu lösen. Diese Ansicht vertrat das geistliche Oberhaupt der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams (London), zum Auftakt einer Gebets- und Aktionswoche der internationalen evangelikalen Micha-Initiative. In einem Gottesdienst am 10. Oktober in Kalkutta (Indien) erklärte Williams der Londoner Zeitung „Times“ zufolge, es gehe nicht nur um Fasten als Verzicht auf materielle Dinge, sondern auch auf Selbstgefälligkeit. Es gelte zum Beispiel Abstand zu nehmen „vom Luxus, das Leiden unserer Nächsten nicht wahrzunehmen“, sagte der Erzbischof in der St. Paulus-Kathedrale. Nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Völker verhielten sich oft so, als müsse alles um sie selbst kreisen. In manchen Fällen schreckten brutale Regierungen vor nichts zurück, um an der Macht zu bleiben, auch wenn das eigene Volk verarme. Sie wollten nicht sehen, was ihnen vor Augen sei.

60 Millionen Christen beten für Gerechtigkeit


Williams sprach beim Tag des Gebets der Micha-Initiative, die sich für mehr globale Gerechtigkeit einsetzt. Sie will die Regierungen an ihre Verpflichtung zum Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele erinnern. Im Jahr 2000 hatten die Staaten unter anderem versprochen, bis 2015 die extreme Armut zu halbieren. Bei der Micha-Aktion vom 10. bis 17. Oktober setzen Gemeinden und Kirchen in rund 70 Ländern Zeichen gegen die Armut. Zum Auftakt kamen etwa 60 Millionen Christen zusammen. Ziel ist, dass 100 Millionen Personen für Gerechtigkeit beten, 10 Millionen Hand- und Daumenabdrücke gesammelt werden und man mit 1.000 Politikern über die Millenniumsziele ins Gespräch kommt. In Deutschland beteiligen sich rund 200 Gemeinden und christliche Gruppen. Die Micha-Initiative wird hierzulande von der Evangelischen Allianz verantwortet und von einem Netzwerk christlicher Organisationen getragen. Koordinator ist Alexander Gentsch (Leipzig). Der Name der Initiative erinnert an die Mahnung des alttestamentlichen Propheten Micha: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Recht tun und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).