Weltweite Armut seit 1990 halbiert


(idea, Washington, 10.03.2012) Die weltweite Armenquote hat sich im Vergleich zu 1990 halbiert. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Weltbank (Washington) hervor. So sei der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben und ein Einkommen von weniger als 1,25 Dollar (rund 0,95 Euro) pro Tag zur Verfügung haben, in den vergangenen Jahren weltweit kontinuierlich zurückgegangen. Entgegen den Erwartungen von Wirtschaftsexperten habe die globale Rezession nicht dazu geführt, dass die Armut in den Entwicklungsländern weiter wächst.

 

„Zum ersten Mal seit Beginn unserer Aufzeichnungen zeigen die Daten einen Rückgang sowohl bei der Armutsrate als auch bei den absoluten Zahlen der Armen in allen sechs Regionen der Entwicklungsländer“, heißt es in dem Weltbank-Bericht. Demnach mussten 1981 noch 52 Prozent (1,94 Mrd. Menschen) der Menschen in der sogenannten „Dritten Welt“ ihr Dasein in absoluter Armut fristen. Bis zum Jahr 2008 ging dieser Wert auf 22 Prozent (1,29 Mrd. Menschen) zurück. Für den Zeitraum bis zum Jahr 2010 liegen erst aus 22 Ländern entsprechende Daten vor. Trotzdem geht die Weltbank davon aus, dass sich der Rückgang der weltweiten Armut fortsetzen wird. Ein zentrales Millenniumsziel der Vereinten Nationen sieht die Weltbank damit vorzeitig erreicht, nämlich die Halbierung der extremen Armut. Dieses Ziel sollte ursprünglich bis 2015 umgesetzt werden. Entwarnung gibt die Weltbank deswegen trotzdem nicht. „Dass nach wie vor 22 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern von weniger als 1,25 Dollar leben müssen, ist nicht hinnehmbar“, erklärte der Direktor der Abteilung für Gerechtigkeit und Reduzierung der Armut, Jaime Saavedra. „Wir müssen unsere Bemühungen intensivieren.“

 

Micha-Initiative: Einsatz für Millenniumsziele lohnt sich


Für die Armutsbekämpfung und die Umsetzung der Millenniums-Ziele engagiert sich unter anderen die evangelikale Micha-Initiative. Ihr Koordinator in Deutschland, Alexander Gentsch (Leipzig), erklärte zu dem Bericht der Weltbank gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Die aktuellen Zahlen sind in der Tat ermutigend, weil sie zeigen, dass sich der Einsatz für die Millenniumsziele lohnt und bereits das Leben von Millionen Menschen zum Positiven verändert hat.“ Doch trotz der Fortschritte bei der Reduzierung von Einkommensarmut sei die Zahl der Hungernden in der Welt in den letzten Jahren auf eine Milliarde Menschen gestiegen. Man könne auch keineswegs behaupten, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise spurlos an den Ärmsten der Armen vorbeigegangen wäre. Denn die Krise sei eine der Ursachen für einen massiven Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Gentsch weiter: „Auch bei einigen anderen Millenniumszielen - besonders bei der Kinder- und Müttersterblichkeit - sind wir noch weit von den gesetzten Zielen entfernt. Kampagnen für die Millenniumsziele werden also auch in den kommenden Jahren noch eine Menge zu tun haben.“ Für Deutschland lautet eine zentrale Forderung der Micha-Initiative, dass die Bundesregierung ihr Versprechen einhält, spätestens 2015 mindestens 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Derzeit sind es knapp 0,4 Prozent. Die weltweite Micha-Initiative wird hierzulande von der Deutschen Evangelischen Allianz verantwortet und von einem Netzwerk christlicher Organisationen getragen. Der Name erinnert an die Mahnung des alttestamentlichen Propheten Micha: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Recht tun und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).