Idee und Hintergrund fair.liebt.transparent


Micha-Aktionswoche 2012: Wie werden Rohstoffe vom Fluch zum Segen?


Rohstoffreichtum sollte Segen und nicht Fluch sein. Ganz besonders in Ländern, in denen große Teile der Bevölkerung in Armut leben. Ein großes Problem ist, dass der Rohstoffhandel oft sehr undurchsichtig ist. Diese Intransparenz erschwert eine gerechte Verteilung der Einnahmen und begünstigt Korruption und Steuerhinterziehung. Und in manchen Fällen finanzieren Kriegsparteien mit dem Geld aus dem Rohstoffhandel blutige Konflikte – zum Beispiel im Ostkongo.1

Die Micha-Initiative hat sich bereits mit der Kampagne “Licht ins Dunkel” bei der Europäischen Union für mehr Transparenz im Rohstoffandel eingesetzt. fair.liebt.transparent. knüpft hier an, denn das EU-Parlament wird erst im November über Richtlinien abstimmen, die für mehr Transparenz sorgen könnten.

Um einen Rohstoff soll es während der Aktionswoche ganz besonders gehen: Das Erz Coltan, aus dem das Metall Tantal gewonnen wird. Tantal ist für die Herstellung von Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten unverzichtbar. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo, also im Herzen Afrikas, wird Coltan unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut. Und nicht nur das: Der Coltanhandel finanziert einen Bürgerkrieg, der seit 1996 schon über fünf Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Immer wieder flammt die Gewalt auf, immer wieder kommt es zu Kampfhandlungen, Vergewaltigungen und Plünderungen.

"Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." (Epheser 5,9)
 
Die Micha-Initiative ist davon überzeugt, dass Gott Licht in dieses Dunkel bringen möchte und dass Transparenz und Gerechtigkeit zusammengehören – fair.liebt.transparent. In der Micha-Aktionswoche 2012 sind Gemeinden, Gruppen und Einzelne daher dazu eingeladen:

  • bei der Aktion „Eine Woche ohne Handy“ mitzumachen
  • als Konsumenten2 über Alternativen nachzudenken
  • die Politik um strengere Transparenz-Regeln zu bitten
  • uns von täglichen Impulsen herausfordern zu lassen und zu beten
  • am 14. Oktober den Micha-Sonntag zu feiern – vor Ort oder gemeinsam in Hamburg.

Aktion “Eine Woche ohne Handy” – Bewusstsein schaffen

Die Teilnehmer sind eingeladen, eine Woche lang auf ihr Handy zu verzichten. Um Bewusstsein zu schaffen – bei ihnen selbst, ihrer Umgebung, der Öffentlichkeit. Alle, die aus wichtigen Gründen nicht für eine Woche verzichten können, dürfen sich gern ein bis drei Tage anschließen oder aber eine Woche auf ein altes Handy umsteigen. Alle, für die “Eine Woche ohne Handy” keine Herausforderung darstellt, sind eingeladen, weitere elektronische Geräte (z.B. den Laptop) einmal sieben Tage lang ausgeschaltet zu lassen.

Botschaft an die Politik – Transparenz fördern

Ende November stimmt das EU-Parlament über Richtlinien ab, die Unternehmen zu mehr Transparenz im Handel mit Rohstoffen verpflichten. Die Micha-Initiative setzt sich dafür ein, dass diese Richtlinien den Menschen in rohstoffreichen Regionen tatsächlich helfen. Teilnehmende der Aktionswoche wenden sich in einer Petition daher an Abgeordnete des Europäischen Parlaments.

Alternativen für Konsumenten – Verzicht, Recycling, strategischer Konsum

Die Aktionswoche soll Gelegenheit bieten zu überlegen, welche Alternativen man als Konsument hat. Es geht darum zu fragen, welche Produkte man tatsächlich braucht und auf welche man verzichten kann. Zudem können alte Geräte oder einzelne Bestandteile wieder verwendet werden. Schließlich kann man sich auch über die Sozialstandards unterschiedlicher Hersteller informieren und sich dann für diejenigen entscheiden, die als Unternehmen am meisten Verantwortung übernehmen.

Biblische Impulse und Gebet – Gott um Veränderung bitten

Gott ist ein Gott des Lichts und der Gerechtigkeit, Transparenz ist auch ein Thema für Christen. Für jeden Tag wird es einen biblischen Impuls zu den Themen Transparenz und Gerechtigkeit geben. Teilnehmende der Aktionswoche sind eingeladen, Gott um Veränderung zu bitten – um eine Verbesserung der Situation im Kongo und anderer rohstoffreicher Länder und für Veränderung bei uns, die wir als Verbraucher und Bürger einen Einfluss haben.

Micha-Sonntag am 14. Oktober – “Licht ins Dunkel”

Am 14. Oktober finden schließlich deutschland- und weltweit Gottesdienste und weitere Veranstaltungen zum Micha-Sonntag statt. Christen beten gemeinsam und lassen sich von Gott herausfordern. Mit einer Podiumsdiskussion und einem Abschlussgottesdienst geht die Aktionswoche am Abend des Micha-Sonntags in Hamburg zuende.

Die Micha-Initiative ist eine Kampagne in Trägerschaft der Deutschen Evangelischen Allianz für globale Gerechtigkeit und die Umsetzung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen.

[1] Vgl. UN 2001: Report of the Panel of Experts (S/2001/357); UN 2010: Extractive Industries and Conflict.
[2] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die weibliche Form verzichtet. Es sind immer beide Geschlechter angesprochen.